Das Konzept
Während meiner langjährigen Erfahrung im System der Kinder- und Jugendhilfe musste ich feststellen, dass die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen immer größer werden, während die gegenüberstehenden Ressourcen immer knapper werden. Müde Fachkräfte, nicht vorhandene Fachkräfte, schrumpfende Budgets und herausfordernde Lebenssituationen lassen das System vollstationärer Hilfe zu einem brodelnden Kessel der Emotionen werden. Manchmal gehen die leisen Kinder unter, manchmal knallen die lauten Kinder durch. Und dazwischen? Blanke Nerven, der Frust, dringend nötige Arbeit aufgrund der Umstände nicht leisten zu können, und ein ungebrochener Wille, im Leben der Kinder einen Unterschied zu machen.
Meine ehemalige Klassenlehrerin während meiner Ausbildung würde jetzt vermutlich milde grinsend die Augen verdrehen, aber bereits während meiner Ausbildung war „Resilienz“ mein Lieblingswort. Es faszinierte mich von Beginn an, dass es ein Gegenmittel gegen Armut, Gewalt, Perspektivlosigkeit und all die grausamen Abgründe unserer Gesellschaft gibt, die das Leben eines Kindes nachhaltig erschweren können. Resilienzförderung kann so einfach sein und einen so riesengroßen Unterschied machen. Es emanzipiert die Kinder und Jugendlichen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, und trotz der vielen Risikofaktoren, die diese Kinder schlussendlich ins Jugendhilfesystem geführt haben, ein zufriedenes und handlungsfähiges Leben zu führen.
Und sollte das nicht unser Ziel sein?
Aber was genau ist Resilienz eigentlich? Resilienz beschreibt die Fähigkeit, trotz widriger Lebensumstände - den sogenannten Risikofaktoren- ein möglichst gesundes, selbst bestimmtes Leben zu bestreiten, und die eigene Handlungsfähigkeit nicht zu verlieren. Kinder, die also in Armut geboren werden, deren Eltern alkoholkrank oder drogenabhängig sind, Kinder die Gewalt an sich, oder Bezugspersonen erfahren haben. Aber auch Kinder, die vor Krieg geflüchtet sind und/oder Trauma erlebt haben. Diese Kinder sind besonders bedroht Verhaltensauffälligkeiten oder -störungen zu entwickeln. Süchten zu verfallen, oder psychisch zu erkranken. Um dem entgegen zu wirken, kann man Schutzfaktoren entwickeln, aufdecken und stärken.
Dazu gehören beispielsweise: Selbstwirksamkeit, Lösungsorientierung, Zuversicht, Emotionsregulation und Frustrationstoleranz. Diese Faktoren, werde im Kind bzw. dem Jugendlichen geweckt und gefördert. Aber auch im Außen gibt es Schutzfaktoren zu aktivieren. Diese können sein: Gute Beziehungen zu verlässlichen Menschen, wie Betreuern, Freunde oder Familie. Ein sicherer Ort zum Leben, Materielle Ressourcen, Bildung, eine sinnstiftende Beschäftigung und: Tiere.
Ich möchte also ganz bewusst diesen Raum schaffen für die Kinder, die Gruppen sprengen. Für die Kinder, die unter den Trümmern der Gruppensprengung untergehen. Für die Kinder, die ein wenig mehr in Richtung Resilienz und Emanzipation geschubst werden dürfen.
Und ich möchte Mitarbeitern und Mitbewohnern ermöglichen, ein paar Stunden in der Woche durchzuatmen und neue Kraft zu sammeln.
